Die richtige Videostrategie für 2026
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Video ist mittlerweile der Content-Bestandteil, der auf nahezu allen Plattformen am zuverlässigsten funktioniert, von kurzen Shorts bis zu ausführlichen Longform-Formaten. Im einundzwanzigsten Interview des NSG-Kanals spricht Head of SEA André mit Geschäftsführerin Denise darüber, wie Unternehmen eine durchdachte Videostrategie entwickeln können, welche Plattformen für welche Zielgruppen geeignet sind und warum organisches Wachstum bezahlter Reichweite in den meisten Fällen vorausgehen sollte.
Das Gespräch liefert eine praxisnahe Einordnung, die sowohl strategische als auch sehr persönliche Erfahrungswerte einbezieht. Der folgende Beitrag ordnet die im Interview genannten Empfehlungen fachlich ein und ergänzt sie um Hintergrundwissen zu Plattformwahl, Content-Formaten und nachhaltigem Kanalaufbau.
Schaut euch das ganze Interview im Video an
Inhaltsverzeichnis
- Warum Video der wichtigste Content-Baustein für Wachstum ist
- Die richtige Plattformwahl beginnt bei der Zielgruppe
- Plattform-Steckbrief: TikTok, LinkedIn und Instagram im Vergleich
- Kanalübergreifende Zielgruppen und unterschiedliche Lebenssituationen
- Warum kanalübergreifende Creatives 2026 zunehmend wichtig werden
- Kurzformate versus Langformate: Zwei unterschiedliche Aufgaben
- Warum Shorts für Reichweite und Longform für Vertrauen sorgen
- Bezahlte Reichweite oder organisches Wachstum zuerst?
- Warum zu früh gekaufte Reichweite unauthentisch wirkt
- Der psychologische Faktor: Warum gesundes Wachstum auch persönlich entlastet
- Videostrategie als Langzeitprojekt, nicht als Einzelaktion
- Was Unternehmen aus diesem Ansatz für die eigene Videostrategie lernen können
- Praxistipps für den Aufbau einer eigenen Videostrategie
- Fazit
Warum Video der wichtigste Content-Baustein für Wachstum ist
André beschreibt Video zu Beginn des Gesprächs als den Content-Bestandteil, der über alle Kanäle hinweg am besten funktioniert. Diese Einschätzung deckt sich mit einer breiteren Entwicklung im Online-Marketing, die auch in anderen Interviews auf dem NSG-Kanal bereits angesprochen wurde: Videoinhalte werden von Nutzerinnen und Nutzern besonders gerne und einfach konsumiert, und auch die großen Plattformen priorisieren Videoformate zunehmend in ihren Algorithmen. Für Unternehmen bedeutet das, dass eine durchdachte Videostrategie kein optionales Extra mehr ist, sondern ein zentraler Baustein moderner Content-Strategie.
Die richtige Plattformwahl beginnt bei der Zielgruppe
Denise macht deutlich, dass die Wahl der richtigen Plattform immer von der Frage abhängen sollte, wo sich die eigene Zielgruppe tatsächlich aufhält. Diese scheinbar einfache Frage ist in der Praxis zentral, da unterschiedliche Plattformen unterschiedliche Nutzergruppen, Nutzungsgewohnheiten und algorithmische Logiken aufweisen. Eine Content-Strategie, die unabhängig von der Zielgruppe pauschal auf eine einzelne Plattform setzt, verschenkt in den meisten Fällen erhebliches Potenzial.
Plattform-Steckbrief: TikTok, LinkedIn und Instagram im Vergleich
Denise ordnet im Gespräch drei zentrale Plattformen ein. TikTok und LinkedIn beschreibt sie als aktuell besonders wachstumsstarke Plattformen, die viel investieren, um Nutzerinnen und Nutzern zunehmend relevante Inhalte auszuspielen. Instagram hingegen bezeichnet sie als eine sehr etablierte Plattform mit bereits großer Reichweite, die zwar langsamer wächst als TikTok oder LinkedIn, aber weiterhin hochgradig relevant bleibt.
Diese Einordnung ist für die praktische Content-Planung hilfreich: Wachstumsstarke Plattformen bieten häufig größere Chancen für organische Reichweite, da Algorithmen neue, engagierende Inhalte aktiv fördern, um das eigene Plattformwachstum zu unterstützen. Etablierte Plattformen mit bereits großer Nutzerbasis bieten demgegenüber stabile, verlässliche Reichweite, auch wenn das zusätzliche organische Wachstumspotenzial geringer ausfallen kann. Eine gute Videostrategie berücksichtigt beide Dynamiken, statt sich ausschließlich auf eine einzelne Plattformlogik zu verlassen. Insbesondere für Unternehmen mit begrenzten Ressourcen empfiehlt es sich deshalb, zunächst eine oder zwei Plattformen bewusst zu priorisieren, statt die eigene Aufmerksamkeit von Beginn an auf zu viele Kanäle gleichzeitig zu verteilen.
| Kurz erklärt: Plattform-Charakteristika • TikTok und LinkedIn: aktuell besonders wachstumsstark, fördern neue relevante Inhalte aktiv • Instagram: etabliert, große bestehende Reichweite, langsameres zusätzliches Wachstum • Plattformwahl sollte sich immer an der tatsächlichen Zielgruppe orientieren |
Kanalübergreifende Zielgruppen und unterschiedliche Lebenssituationen
Ein besonders interessanter Gedanke, den Denise einbringt, betrifft kanalübergreifende Zielgruppen. Sie beschreibt, dass dieselbe Zielgruppe in unterschiedlichen Lebenssituationen auf unterschiedlichen Plattformen unterwegs ist, etwa abends privat auf der Couch über Instagram oder TikTok und tagsüber während der Bürozeit über LinkedIn oder andere Businessplattformen. Für Unternehmen bedeutet das, dass kanalübergreifende Creatives, die sich an die jeweilige Plattform und Situation anpassen, aber inhaltlich konsistent bleiben, zunehmend wichtiger werden.
Dieser Ansatz verweist auf ein größeres strategisches Prinzip: Zielgruppen lassen sich nicht mehr allein über demografische Merkmale definieren, sondern zunehmend auch über situative Kontexte, in denen Menschen für bestimmte Botschaften empfänglicher sind. Eine Person, die abends entspannt Unterhaltungsinhalte konsumiert, hat eine andere Erwartungshaltung als dieselbe Person, die tagsüber beruflich orientierten Content auf einer Businessplattform durchscrollt. Eine durchdachte Videostrategie berücksichtigt diese situativen Unterschiede, statt identischen Content unreflektiert auf allen Plattformen zu verbreiten.
Warum kanalübergreifende Creatives 2026 zunehmend wichtig werden
Denise verweist im Interview explizit auf das Jahr 2026 und die wachsende Bedeutung kanalübergreifender Creatives. Dieser Hinweis verdient eine genauere Einordnung, da er auf eine grundlegende Verschiebung in der Content-Produktion hindeutet. Früher war es üblich, für jede Plattform vollständig eigenständige Inhalte zu produzieren, abgestimmt auf das jeweilige Format, die jeweilige Zielgruppe und die jeweiligen technischen Anforderungen. Dieser Ansatz ist zwar inhaltlich präzise, aber ressourcenintensiv, da für jede Plattform separater Produktionsaufwand anfällt.
Kanalübergreifende Creatives verfolgen demgegenüber einen effizienteren Ansatz: Ein zentrales inhaltliches Konzept wird so gestaltet, dass es sich mit vergleichsweise geringem Zusatzaufwand an unterschiedliche Plattformen und Formate anpassen lässt, etwa durch unterschiedliche Schnittfassungen, Bildausschnitte oder Tonalitäten, während die Kernbotschaft konsistent bleibt. Für Unternehmen mit begrenzten Produktionsressourcen ist dieser Ansatz besonders relevant, da er eine deutlich breitere Plattformpräsenz ermöglicht, ohne den Produktionsaufwand proportional zu vervielfachen.
Kurzformate versus Langformate: Zwei unterschiedliche Aufgaben
André und Denise unterscheiden im Gespräch klar zwischen kurzen und langen Videoformaten und ordnen ihnen unterschiedliche strategische Funktionen zu. Kurzer, prägnanter Content eignet sich laut Denise besonders für Reels und Shorts, um Reichweite zu generieren und neue Personen überhaupt erst auf das eigene Angebot aufmerksam zu machen. Longform-Content hingegen dient dazu, Vertrauen aufzubauen, tiefer in Themen einzutauchen und Wiedergabezeit zu generieren, wodurch Kanalinhaberinnen und Kanalinhaber auch aus Sicht der jeweiligen Plattform relevanter werden.
Diese funktionale Trennung ist strategisch sinnvoll, da sie den unterschiedlichen Phasen der Kundenreise entspricht. Kurzformate erreichen Menschen, die das eigene Angebot noch nicht kennen, und wecken erstes Interesse. Longform-Content richtet sich eher an Personen, die bereits ein gewisses Interesse mitbringen und bereit sind, mehr Zeit zu investieren, um eine Marke oder ein Thema wirklich kennenzulernen. Eine ausgewogene Videostrategie kombiniert beide Formate gezielt, statt sich ausschließlich auf eines der beiden zu konzentrieren.
Warum Shorts für Reichweite und Longform für Vertrauen sorgen
Diese Aufgabenteilung lässt sich auch mit der Funktionsweise vieler Plattform-Algorithmen erklären. Kurzformate werden häufig stärker für die Erstansprache neuer Zielgruppen genutzt, da ihre niedrige Einstiegshürde eine hohe Reichweite bei geringem Zeitaufwand für die Zuschauerin oder den Zuschauer ermöglicht. Längere Formate hingegen erzeugen mehr Wiedergabezeit pro Nutzerin oder Nutzer, ein Signal, das viele Plattformen als Indikator für hochwertigen, bindenden Content werten und entsprechend algorithmisch belohnen.
Dieser Zusammenhang zwischen Wiedergabezeit und algorithmischer Bevorzugung ist besonders bei YouTube gut dokumentiert, lässt sich aber in ähnlicher Form auch auf andere Plattformen übertragen: Je länger Nutzerinnen und Nutzer mit einem Inhalt oder auf einem Kanal verbringen, desto stärker interpretiert der jeweilige Algorithmus dies als Qualitäts- und Relevanzsignal. Kurzformate erfüllen diese Funktion nur bedingt, da ihre Länge naturgemäß begrenzt ist. Longform-Inhalte bieten hingegen deutlich mehr Spielraum, um über einen längeren Zeitraum hinweg Aufmerksamkeit zu binden, sofern der Inhalt tatsächlich fesselnd gestaltet ist. Eine Strategie, die beide Formate gezielt kombiniert, kann deshalb sowohl von der Reichweitenlogik der Kurzformate als auch von der Bindungslogik der Longform-Inhalte profitieren.
Bezahlte Reichweite oder organisches Wachstum zuerst?
Ein zentraler Teil des Gesprächs widmet sich der Frage, ob es sinnvoller ist, von Beginn an bezahlte Reichweite zu kaufen oder zunächst organisch zu wachsen. Denise spricht sich klar für organisches, gesundes Wachstum zuerst aus. Sie begründet dies mit eigener Erfahrung: Beim Start eines neuen Kanals müsse man zunächst selbst sicherer vor der Kamera werden und ein Gefühl dafür entwickeln, was bei der eigenen Community und Zielgruppe tatsächlich funktioniert und was nicht.
Würde man stattdessen direkt Reichweite kaufen oder umfangreich in bezahlte Werbung investieren, wirke das laut Denise unauthentisch, da Menschen auf einen Kanal geholt werden, der inhaltlich und stilistisch noch gar nicht bereit ist, eine so große Reichweite überzeugend zu bedienen. Insbesondere für die Plattform YouTube empfiehlt sie ausdrücklich, sich Zeit zu nehmen, da gesundes Wachstum dort grundsätzlich Zeit benötigt.
Warum zu früh gekaufte Reichweite unauthentisch wirkt
Diese Einschätzung lässt sich gut mit dem Konzept der Passung zwischen Content-Qualität und Reichweite erklären. Wird einem noch wenig erfahrenen Kanal künstlich eine große Reichweite verschafft, entsteht eine Diskrepanz zwischen den Erwartungen eines größeren Publikums und dem tatsächlichen Reifegrad des Contents. Diese Diskrepanz kann sich negativ auf Wahrnehmung und langfristige Kanalbindung auswirken, da ein zu früh vergrößertes Publikum möglicherweise enttäuscht wird oder den Kanal schnell wieder verlässt, ohne eine echte Bindung aufzubauen.
Der psychologische Faktor: Warum gesundes Wachstum auch persönlich entlastet
Besonders anschaulich beschreibt Denise den persönlichen, psychologischen Aspekt dieses Themas. Sie schildert, wie belastend es wäre, mit wenig Erfahrung vor der Kamera zu stehen und von einem Tag auf den anderen von wenigen hundert auf mehrere zehntausend Zuschauerinnen und Zuschauer zu springen. Ein solcher Sprung erzeuge erheblichen Druck und Nervosität, während organisches, schrittweises Wachstum es ermöglicht, persönlich mitzuwachsen und dabei authentisch zu bleiben.
Dieser Gedanke ist über den reinen Marketingaspekt hinaus relevant, da er die Nachhaltigkeit einer Videostrategie direkt mit dem persönlichen Wohlbefinden der vor der Kamera stehenden Personen verknüpft. Ein Content-Format, das die beteiligten Menschen dauerhaft überfordert oder unter erheblichen Druck setzt, lässt sich langfristig schwerer aufrechterhalten als ein Format, das sich in einem für alle Beteiligten verkraftbaren Tempo entwickelt.
Videostrategie als Langzeitprojekt, nicht als Einzelaktion
André fasst am Ende des Gesprächs eine zentrale Erkenntnis zusammen: Der Aufbau einer erfolgreichen Videostrategie ist kein einmaliges Projekt, das mit einem einzelnen Drehtag abgeschlossen ist, sondern ein Vorhaben, das sich über Jahre erstreckt. Dazu gehören kontinuierliche Kommunikation mit der Kundschaft sowie das systematische Ausprobieren möglichst vieler Touchpoints, um herauszufinden, wo die eigene Zielgruppe tatsächlich am besten erreicht wird.
Diese Sichtweise ist strategisch wichtig, da sie unrealistische Erwartungen an schnelle Erfolge relativiert. Eine Videostrategie, die von Beginn an auf schnelle, große Reichweite ausgelegt ist, steht in einem gewissen Widerspruch zu dem im Interview beschriebenen Prinzip des gesunden, organischen Wachstums. Unternehmen, die sich für den Aufbau einer eigenen Videopräsenz entscheiden, sollten deshalb von Beginn an eine langfristige Perspektive einnehmen, statt kurzfristige Ergebnisse zu erwarten.
Was Unternehmen aus diesem Ansatz für die eigene Videostrategie lernen können
Aus dem Gespräch lassen sich mehrere übertragbare Prinzipien für die eigene Videostrategie ableiten: Die Plattformwahl sollte konsequent von der tatsächlichen Zielgruppe und ihren jeweiligen Lebenssituationen abhängen, nicht von pauschalen Trends. Kurz- und Langformate sollten gezielt kombiniert werden, um sowohl neue Reichweite zu generieren als auch Vertrauen aufzubauen. Organisches Wachstum sollte in der Regel vor umfangreichen bezahlten Reichweitenkäufen stehen, insbesondere in der Anfangsphase eines Kanals. Und schließlich sollte eine Videostrategie von Beginn an als langfristiges, kontinuierliches Vorhaben verstanden werden, nicht als einmalige Kampagne.
Praxistipps für den Aufbau einer eigenen Videostrategie
| Praxistipps auf einen Blick • Klären, auf welchen Plattformen die Zielgruppe in unterschiedlichen Lebenssituationen aktiv ist • Kurzformate gezielt zur Reichweitengenerierung und Erstansprache einsetzen • Longform-Content nutzen, um Vertrauen aufzubauen und tiefergehendes Interesse zu bedienen • In der Anfangsphase zunächst organisch wachsen, bevor bezahlte Reichweite investiert wird • Videostrategie als langfristiges Projekt mit ausreichend Zeit für persönliche Weiterentwicklung planen |
Fazit
Das Gespräch zwischen André und Denise zeigt, dass eine erfolgreiche Videostrategie weit mehr erfordert als die reine Entscheidung für ein bestimmtes Format oder eine bestimmte Plattform. Die bewusste Ausrichtung an der tatsächlichen Zielgruppe und ihren unterschiedlichen Lebenssituationen, die gezielte Kombination aus Kurz- und Langformaten sowie ein geduldiger, organischer Wachstumsansatz bilden gemeinsam die Grundlage für eine nachhaltige und authentische Videopräsenz. Unternehmen, die diese Prinzipien beherzigen und Videostrategie als langfristiges Projekt statt als kurzfristige Kampagne begreifen, schaffen damit die Voraussetzung für Wachstum, das sowohl inhaltlich als auch persönlich tragfähig bleibt. Wer diesen Weg konsequent geht, profitiert langfristig von einer Community, die tatsächlich zum eigenen Kanal passt, statt von kurzfristig gekaufter, aber wenig verbundener Reichweite.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Welche Plattform eignet sich am besten für Videomarketing?
Das hängt von der Zielgruppe ab. TikTok und LinkedIn wachsen aktuell besonders stark, Instagram bietet bereits etablierte, große Reichweite.
Sollte ich zuerst bezahlte Reichweite kaufen oder organisch wachsen?
In der Regel empfiehlt sich zuerst organisches Wachstum, um Erfahrung vor der Kamera zu sammeln und ein Gefühl für die eigene Zielgruppe zu entwickeln.
Was ist der Unterschied zwischen Shorts und Longform-Content?
Shorts eignen sich zur Reichweitengenerierung und Erstansprache, Longform-Content baut Vertrauen auf und erzeugt mehr Wiedergabezeit.
Was sind kanalübergreifende Creatives?
Inhalte, die sich mit geringem Zusatzaufwand an verschiedene Plattformen und Situationen anpassen lassen, während die Kernbotschaft konsistent bleibt.
Wie lange dauert es, bis eine Videostrategie Wirkung zeigt?
Erfolgreicher Kanalaufbau ist ein langfristiges Projekt, das sich häufig über Jahre erstreckt, statt innerhalb weniger Wochen abgeschlossen zu sein.

